Sandra, die gute Seele meiner Verwirrtheit
Ich war noch nicht mal ganz aus Hamburg raus, da hatte ich schon das Handy in der Hand und wählte Sandras Nummer. Ich erzählte ihr die Geschichte bis ins kleinste Detail. Angefangen bei Oles Anruf bis hin zu unserem – für unsere Verhältnisse dramatischen – Abschied. Als ich fertig war, wusste ich eigentlich schon wie sie reagieren würde: „Hab ich dir doch gesagt!“ War ihre, meiner Meinung nach zu voreilige, Antwort. Sie meinte, das wir diese Er sucht Sie und Sie sucht Ihn Geschichte doch langsam mal beenden sollten und auf unser Herz hören könnten. Das hört sich jetzt ziemlich schnulzig an, aber Sandra neigt zu solchen Formulierungen… Sie meinte, sie wüsste schon lange, dass ich seine Traumfrau sei. Was ich natürlich als Klugscheißerei betitelte. Doch da rückte sie endlich mit der ganzen Wahrheit raus: Ole hatte sich ihr anvertraut. Es stimmte tatsächlich: er hatte sich in mich verliebt. Und das sogar schon sehr lange. Doch um unser gutes „Verhältnis“ nicht zu gefährden, hat er sich nichts anmerken lassen. An diesem Wochenende wollte er mir eigentlich reinen Wein einschenken, hat sich aber anscheinend nicht getraut.
- Pause -
Es ist sicher nicht schwer zu verstehen, dass ich ziemlich baff war. Die ganze Zeit war Ole in mich verliebt und ich mach einen auf lockere Beziehung. Ich wunderte mich selbst, dass ich nicht wütend auf die beiden, insbesondere auf Ole, war. Sollte ich ihn nach Bayern schicken, damit er dort als verbitterter Single in Nürnberg stirbt? Denn eigentlich haben wir uns versprochen, dass wir in dieser Hinsicht immer ehrlich zueinander sind. Aber so langsam dämmerte mir auch, was mit mir seit seinem Anruf los war: ich war auch verliebt. Kurz entschlossen fragte ich Sandra, ob sie nicht für mich einen Krankenschein von ihrer Mutter (meine Hausärztin) für morgen besorgen könne. Sie sagte ja und wir legten auf. Ich drehte um und fuhr zurück zu Ole. Auf dem Weg zu ihm, habe ich mir die schönsten Sätze zurechtgelegt. Als ich vor seinem Haus parkte, konnte ich aber nicht aussteigen. Ich saß 2 ½ Stunden im Auto, drehte um und sagte Sandra ohne eine sonstige Erklärung, dass sich das mit dem Krankenschein erledigt hat.